Donnerstag, 11. August 2016
Das Leben im Bienenstock im Herbst
Es wird ruhiger am Bienenstand. Ab Anfang September sind die Völker ausreichend eingefüttert. Nun ist auch der Zeitpunkt optimal, um die Königinnen von unangenehmen Völkern gegen ruhige auszutauschen. Zu dieser Jahreszeit nimmt das Volk eine fremde Königin lieber an als in den Monaten zuvor.

Gerade in Ballungszentren sind wir Imker bemüht, Völker zu halten, die ihrem Umfeld ruhig gegenüber treten. Hier würde die alte Königin entnommen und eine Neue mit einen Käfig zugesetzt werden. Sie müsste ein paar Tage in einem Käfig verbleiben, bis die Arbeiterinnen einen Verschlussstopfen aus Futterteig entfernt haben und dadurch ihre neue Königin freilassen. Sie akzeptieren dann die neue, weil sie sich bis dahin an ihren Geruch gewöhnt haben.

Ab Anfang September muss der Varroabefall der Völker laufend kontrolliert werden. Die Bienenkästen haben unten eine Art Schublade, dort findet man den Varroa-Totenfall. Ist der Befall sehr hoch, muss der Imker seine Völker nochmals behandeln. Es kann es zu dieser Jahreszeit, zu einem wiederholten Befall der Milbe kommen, wenn bei anderen Völkern in der Umgebung eine erhöhte Belastung der Völker vorliegt. Dies kann z.B daran liegen, dass die Milbe bei der Behandlung nicht ausreichend dezimiert wurde. Einzelne Bienen von belasteten Völkern betteln sich in andere Völker ein und nehmen die Milben mit, die auf ihnen ansitzen. Dies wird Reinvasion genannt. Daher ist es für jeden, der Bienen hält, sehr wichtig, genau zu wissen, wie die Bienen behandelt werden müssen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Behandlung flächendeckend Erfolge aufweist.

Im Herbst werden die Bienenkästen winterfest gemacht. Sind die Ausflugslöcher höher als 8 Millimeter, so müssen an den Bienenkästen Mäuseschutzgitter angebracht werden. Denn für die Mäuse wäre so ein besetzter Bienenkasten ein gutes Winterquartier: ein trockener Unterschlupf mit bereits angelegten Vorräten.

Zu dieser Zeit beginnt ein langsamer Umbruch von den Sommerbienen zu den Winterbienen mit reichlich Fettreserven. Eine Sommerbiene lebt ungefähr vier bis sechs Wochen, eine Winterbiene hat dagegen eine Lebensspanne von mehreren Monaten. Das muss so sein, denn im Winter wird keine Brut versorgt und es kommen keine neuen Bienen dazu. So müssen die Winterbienen das Volk über den Winter bringen. Dazu sitzen sie in einem kugeligen Gebilde, das sich von innen nach außen immer wieder austauscht. So erhalten sie die Temperatur aufrecht.



Bis die ersten Fröste auftreten sind Astern gute Pollen und Nektarspender. Der Efeu (Hedera helix) ist eine der letzten wichtigen Bienenweidepflanze, die wir haben. Nicht nur die Honigbienen, sondern viele Insekten laben sich an seinem Nektar und Pollen. Er sichert somit deren Überleben. Schmetterlinge, Schwebefliegen, Hummelköniginnen, sogar Insekten, die sich zu einer anderen Jahreszeit jagen würden, tummeln sich gemeinsam auf den Blüten. Der Efeu hat aber eine lange Jugendphase von ca. 10 Jahren, bis er zum ersten Mal zum Erblühen kommen kann. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem nicht die Kletterpflanze, sondern der Strauchefeu gepflanzt wird. Hedera helix Arborescens ist nichts Anderes als ein vermehrter Blütentrieb des Efeus, der nicht mehr klettert, sondern strauchartig wächst und früher blüht.

Text und Foto: Karsten Burghardt
http://bit.ly/mag_Honigbienenjahr

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